Young Fathers: Es ist ein Genre-Baby!

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Young Fathers: Es ist ein Genre-Baby!

Die Young Fathers perforieren mit ihrer Musik jede Genre-Schublade. Aus Rap-Kunst, Pop-Hooks, afrikanischer Perkussion und mehrstimmigen Chören entsteht ein Sound, der seinesgleichen lange suchen kann. Das ist nicht nur preisverdächtig, sondern bereits mit dem Mercury Prize ausgezeichnet worden.

Die Aufmerksamkeit der Musikszene ist den Young Fathers sicher: Für ihr letztes Album „Dead“ erhielten sie 2014 den angesehenen Mercury Prize und damit das Prädikat besonders wertvoll. Das Trio aus Edinburgh will mit seinen anspruchsvollen Hip-Hop-Auswüchsen die Hörgewohnheiten der breiten Masse herausfordern – bis wir alle jedes Genre generell in Frage stellen.

Denn auf Hip-Hop darf man die 27-Jährigen keinesfalls beschränken. Mit ihren Wurzeln in Nigeria, Liberia und Schottland haben die Young Fathers die unterschiedlichsten Lebensgeschichten, aber einen gemeinsamen Nenner: Sie wurden alle nach ihren Vätern benannt. Ähnlich unterschiedlich ist ihr musikalischer Mix, der auch nur einen gemeinsamen Nenner kennt: Leidenschaft. Aus Rap-Kunst, mehrstimmigen Pop-Hooks und allem, was den Jungs sonst noch in den Sinn kommt – von afrikanischer Perkussion über Funk bis Trip Hop – entsteht eine Musik, die so frisch und ungewöhnlich klingt, dass es mal wieder Zeit für ein neues Musik-Genre wäre.

Am ehesten erinnert dieser Sound noch an TV On The Radio, mit deren Avantgarde-Anspruch und unerschrockener Experimentierfreude sich die Band locker messen kann. Dieser Pioniergeist schreckt auch nicht vor der schlechten Qualität einer Handyaufnahme zurück – Hauptsache, die Leidenschaft stimmt und überträgt die oftmals politischen oder gesellschaftskritischen Botschaften, auf die bereits der Albumtitel „White Men Are Black Men Too“ hindeutet. Der ist übrigens im vollen Bewusstsein gewählt worden, das Trio hat sogar den E-Mail-Verkehr veröffentlicht, in dem es den Titel mit dem Management diskutiert.

Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Sound auch in die Welt zu bringen – denn die Young Fathers wollen im Mainstream-Radio laufen. Die Ohrwurmmelodien dafür haben sie, sie präsentieren sie nur nicht auf dem Silbertablett, sondern versteckt in einem ganzen Buffet aus verschiedenen Musikgattungen. Dass der gemeine Hörer mit dieser Kreativitätswalze etwas überfordert sein kann, ist ihnen bewusst. Daher klebt auf dem Album auch der kundenfreundlichen Hinweis „File under rock and pop“.