So wurde „Heizungspfuscher Flötzinger“ zur Kult-Figur

Magazin

So wurde „Heizungspfuscher Flötzinger“ zur Kult-Figur

Seit Donnerstag läuft "Winterkartoffelknödel" im Kino und wer schon "Dampfnudelblues" mochte, dem wird auch die Fortsetzung gefallen. Unter anderem, weil "Heizungspfuscher Flötzinger" eine wesentlich größere Rolle spielt. Wie der zur Kult-Figur wurde, erklärt Darsteller Daniel Christensen im Interview.

Im Film „Winterkartoffelknödel“ (seit 16.10. im Kino) sowie im Vorgänger „Dampfnudelblues“ (2013) spielt der eigentlich nicht unattraktive Daniel Christensen (Jahrgang 1978) den freakigen „Heizungspfuscher Flötzinger“. Die Interpretation dieser Figur in beiden Filmen weicht von Rita Falks Romanvorlagen ein Stück weit ab. Wie es dazu kam, sagt der Schauspieler, der am Mittwoch auch im Spielfilm „Landauer – Der Präsident“ (Das Erste) zu sehen war und demnächst im „Tatort: Wohltäter“ (SWR, 23.11.) mitspielen wird, im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Dabei erklärt er auch, ob Flötzinger tatsächlich ein Freak ist.

Ihre Interpretation des Heizungspfuschers Flötzinger im Film weicht von der Romanvorlage ein Stück weit ab. Wie kam es dazu?

Daniel Christensen: Im Roman ist er viel älter und wird als großgewachsener, breitschultriger Mann mit Quadratlatschen beschrieben. Auch die markante Brille, die den Film-Flötzinger so lustig aussehen lässt, ist nur durch Zufall bei einer Kostümprobe entstanden, weil ich sie spaßeshalber aufgesetzt habe. Mich hat am Flötzinger der engagierte, liebenswürdige Trottel interessiert. In diesem Sinne wollte ich die Rolle gestalten.

Was bedeutet die Rolle für Ihre Karriere?

Christensen: Für mich persönlich ist sie sehr wichtig, auch wenn sie im „Dampfnudelblues“ noch eher klein war, da ich ihr meinen Stempel aufdrücken konnte und das auch gefruchtet hat. Nicht nur im Team mochte man diese Figur sehr, auch darüber hinaus hat sie scheinbar einen kleinen Kult-Status erreicht. Das ist für einen Schauspieler immer schön, wenn das so aufgeht.

Im „Winterkartoffelknödel“ ist Ihre Rolle jetzt auch viel größer.

Christensen: Das ist richtig, allerdings ist das auch dem Roman geschuldet. In „Winterkartoffelknödel“ spielt der Flötzinger einfach generell eine größere Rolle. Er ist eine sehr extravagante, charismatische Nebenfigur und momentan sieht es tatsächlich ein bisschen nach einer Erfolgsstory für ihn aus. Das ist natürlich schön für mich.

Würden Sie den Flötzinger als Freak bezeichnen?

Christensen: Eigentlich nein, vielleicht steht er eher in der Tradition eines ganz bestimmten Menschenschlages, wie er auch in Serien wie „Monaco Franze“, „Irgendwie und Sowieso“, „Münchner Geschichten“ etc. porträtiert wird. Ich mag diese Rolle sehr, weil sie das Porträt eines bayerischen dörflichen Urgesteins ist. Solche Menschen findest du vermutlich kaum noch in München oder einer anderen bayrischen Großstadt. Bei uns auf dem Dorf sind solche Charaktere durchaus anzutreffen.

Sie sagen „bei uns auf dem Dorf“, wie viel Bayer steckt denn in einem Herrn Christensen?

Christensen: Ich bin gebürtiger Wasserburger, bin aber in dem Dorf Raitenhaslach bei Burghausen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Meine Mutter ist Pragerin und weil unsere Familie aus Prag nach Dänemark geflohen ist und erst später nach Bayern kam, habe ich nicht den bayerischen Nachnamen meines Vaters, sondern den dänischen, den die Familie durch die Heirat meiner Oma mit einem Dänen angenommen hat. Meine Familie mütterlicherseits ist vom Pass her also Dänisch, vom Blut her Tschechisch, mein Vater ist aber geborener Fürstenfeldbrucker. Trotz des Chaos‘ bin ich schlichtweg ein Oberbayer. Heute lebe ich aber in Berlin.

Und an welcher Stadt hängt Ihr Herz?

Christensen: An Berlin! Das ist mein Zuhause, meine Heimat bleibt aber schon Burghausen.

Gibt es eine bayerische Tradition, die Sie auch in Berlin pflegen?

Christensen: Das Weißwurstfrühstück – wenn man mal gute Weißwürste bekommt. Und ab und zu machen wir auch einen richtig guten Schweinebraten.

Wie viel Spaß machen die Dreharbeiten von Saufgelage-Szenen?

Christensen: Eigentlich sehr viel Spaß! Wenn man dann aber mal zehn Stunden gedreht hat und es schon 3 Uhr früh ist, muss man dem Spaß manchmal einen kleinen Ruck oder einen Schnaps geben, aber dann macht es auch gleich wieder richtig Spaß. Die Gesangseinlage „Sexualverkehr“ haben wir an so einem Tag gedreht – und das eine oder andere Bier dazu getrunken.

Wie fühlt man sich als Mann im Bikini?

Christensen: Ich habe vielleicht keinen Waschbrettbauch, aber einen fette Wurscht bin ich auch nicht. Insofern kann ich es professionell sehen – auch wenn die Kollegen während des Drehs natürlich einen blöden Spruch nach dem anderen gerissen haben.

Was war Ihre eigene schlimmste Modesünde?

Christensen: Da gab es eigentlich keine, weil ich damals stark in der Punk-Rock-Szene verankert war. Ende der 1980er hatte ich einen schönen Iro, später Dreadlocks. Das hat auch rückblickend eigentlich ziemlich cool ausgesehen. Und nachdem ich eine sehr geschmackvolle Mutter habe, die meine Kleidung selbst genäht hat, habe ich sogar als Kind gut ausgesehen, finde ich zumindest.

Im „Winterkartoffelknödel“ verdreht eine sexy gekleidete Dame aus der Stadt allen den Kopf. Haben Sie das damals in Ihrem bayerischen Dorf auch so erlebt?

Christensen: Nein, gar nicht, weil ich in einem eher linksgerichteten Milieu aufgewachsen bin und insofern keine Berührungspunkte damit hatte.

Was finden Sie an einer Frau attraktiv?

Christensen: Ich mag natürlich schöne Frauen, aber mich interessiert an einer Frau tatsächlich, wenn sie einen interessanten Geist hat.

Polizeichef Moratschek (Sigi Zimmerschied) sagt im Film: „Ich wünsche mir ein Sektfrühstück mit Christine Neubauer“. Mit wem würden Sie gerne mal Sektfrühstücken?

Christensen: Mit Sahra Wagenknecht oder Martin Sonneborn.

Fremdgehen und Vertrauen in Beziehungen, was halten Sie davon?

Christensen: Fremdgehen ist für mich kein Thema und auch niemals der Punkt. Es geht ausschließlich um Vertrauen und da entscheidet jeder Mensch grundsätzlich für sich selbst, ob er vertrauen will oder nicht und wie weit das dann geht.

Glauben Sie an Karma?

Christensen: Karma nicht unbedingt, aber daran glaube ich schon: Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es auch wieder heraus…