„Rebel Heart“: Die Wiederauferstehung der Madonna

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„Rebel Heart“: Die Wiederauferstehung der Madonna

Nach drei Alben voll angestrengt moderner Dance-Musik hat Madonna ein kleines Wunder geschaffen. Auf "Rebel Heart" hören wir perfekten, hochmodernen Pop, der von der Queen of Pop Seele eingehaucht bekommt. Genauso muss das sein.

Zuerst die gute Nachricht: Das Schlimmste an diesem Album ist sein Titel. Man fragt sich wirklich, was die Queen of Pop da geritten hat. „Rebel Heart“? So benennen heutzutage nicht mal mehr einfallslos pubertierende Schulbands oder besonders progressive ESC-Kandidaten ihre Alben. Und dann gerade Madonna?

Umso größer die musikalische Überraschung. „Rebel Heart“ ist alles, was man seinem Titel nicht zutraut: entspannend, unaufdringlich, tanzbar, formvollendet, mitreißend, abwechslungsreich, unpeinlich, zutraulich und hochmodern. Gewagte These: Ihr dreizehntes Album ist der vermutlich stimmigste Madonna-Output seit „Ray Of Light“.

So aufgesetzt progressiv der Dance-Sound der letzten Madonna-Alben klang, so warm, ehrlich und überzeugend klingt „Rebel Heart“. Die 56-Jährige hechelt darauf nicht mehr den Trends hinterher, sondern befindet sich wieder absolut angemessen im poppigen Hier und Jetzt. Madonna hat immer Pop auf der Höhe der Zeit gemacht, weil sie immer mit den richtigen Menschen zusammen gearbeitet hat. Manchmal klang das allerdings so up to date, dass sie selbst nicht mehr dazu gepasst hat. Diesmal nicht. Zur Seite standen ihr im Studio die Produzenten, die der Zeit gerade den Puls nehmen: Kanye West, Diplo, Avicii. Die Gastauftritte von Rapper Nas, Sängerin Nicki Minaj und Boxer Mike Tyson sind dagegen Peanuts – und die Frau an der Spitze trotz aller Einflüsse der unangefochtene Superstar.

Madonna hat sich ein Klangkostüm auf den Leib schneidern lassen, das diesmal wie angegossen sitzt: tanzbarer Elektropop wie „Unapologetic Bitch“, von dem M.I.A. sicher auch begeistert wäre, wandlungsreiche Hits wie „Devil Pray“, das sich nicht zwischen Akustikgitarre und orientalischen Beats entscheiden muss oder formvollendete Balladen wie das Titelstück, das wunderbar zum melancholischen Sommerhit 2015 ausgerufen werden könnte. Das klingt zwar nicht wie aus einem Guss, ist der Vielseitigkeit einer Madonna aber durchaus angemessen. Herzlich empfohlen sei dem geneigten Käufer an dieser Stelle, mindestens die 23 Songs (+ 2 Remixe) umfassende Deluxe Version zu erstehen, da drei der besten Songs nur darauf zu finden sind.

Kommen wir nun zur schlechten Nachricht: die Lyrics. Mit Sicherheit hat eine Frau wie Madonna interessantere Geschichten und Ansichten zu erzählen als „Oh my god / you’re so hot“. Würde sie ihre Texte in einer anderen Sprache singen, würde man dieses Album noch lieber hören. Womit wir wieder bei den Worten wären. Aber die sind, wie wir schon eingangs festgestellt haben, immerhin der einzige Makel dieses sonst sehr gelungenen „rebellischen Herzens“.