Die irre Karriere von „Guardians of the Galaxy“-Regisseur James Gunn

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Die irre Karriere von „Guardians of the Galaxy“-Regisseur James Gunn

Vom B-Movie zum gefeierten Blockbuster: Regisseur James Gunn hat sich spätestens mit dem Erfolg von "Guardians of the Galaxy" in Hollywood etabliert. Dabei sah es zunächst so aus, als würde er eher Nischenfilme inszenieren.

Kaum ein Kinofilm hat 2014 bei Fans und Kritikern so eingeschlagen wie Marvels Superhelden-Komödie „Guardians of the Galaxy“. Überraschend ist das vor allem deshalb, weil den meisten Zuschauern die irre Helden-Truppe bis zum Kinostart kaum ein Begriff gewesen sein dürfte. Hauptprotagonist Peter Quill (Chris Pratt) ist Marvels Äquivalent zu Han Solo. Ein Pilot und intergalaktischer Vagabund, der sich selbst „Star-Lord“ nennt und auf der Suche nach kostbaren Relikten durch einen dummen Zufall zwischen die Fronten eines (welt-)allumfassenden Konfliktes gerät. Auf seiner wilden Flucht verbündet sich Quill notgedrungen mit dem schießwütigen Waschbären Rocket Racoon, dem Baummenschen Groot, der Killerin Gamora (Zoe Saldana) und dem hünenhaften Drax (Dave Bautista).

Nicht weniger verrückt als die Protagonisten vor der Kamera ist auch die Karriere von James Gunn (44), der es vom B-Movie- zum Blockbuster-Regisseur geschafft hat. Der US-Amerikaner entdeckte früh seine Liebe zum Film und machte bereits im Alter von 12 Jahren erste filmische Gehversuche mit seiner 8mm-Kamera. Von Anfang an hatte er dabei ein Faible für ausgefallene Filmstoffe. Während seines Studiums lernte Gunn Lloyd Kaufman kennen, den Mitbegründer des Independent Studios Troma – spezialisiert auf Low-Budget-Projekte mit expliziter Gewaltdarstellung Als erstes schrieb der talentierte Newcomer das Drehbuch zum späteren Kulthit „Tromeo & Julia“, für das er sagenhafte 150 Dollar erhielt.

Nach gelungenen Drehbüchern für das „Dawn of the Dead“-Remake und „Scooby-Doo“ (2002) gab er mit „Slither“ 2006 sein Regiedebüt. Eine bei Liebhabern angesehene Splatter-Komödie, die blöderweise die eigenen Produktionskosten nicht einspielen konnte. Außerdem produzierte er mit seinen beiden Brüdern Brian und Sean in „James Gunn’s PG Porn“ eine Webserie aus einer Reihe von Pornofilmparodien. Mit „Super – Shut Up, Crime!“ lieferte der Regisseur schließlich seinen ersten, unkonventionellen Beitrag zum Superhelden-Genre, durch den auch die Marvel Studios auf ihn aufmerksam wurden.

„James Gunn hatte schon zwei wirklich interessante Filme gedreht und einige sehr spannende Drehbücher geschrieben. Doch noch hatte ihn niemand ans Steuer eines so gigantischen Vehikels gelassen“, resümiert der Ausführende Produzent von „Guardians of the Galaxy“, Jeremy Latcham. Nachdem Gunn allerdings seine Vision der intergalaktischen Heldentruppe skizziert hatte, war schnell klar, dass er die ideale Wahl für Drehbuch und Regie darstellt. Mit dem Projekt erfüllte sich für ihn zugleich ein Kindheitstraum: „Als lebenslanger Fan von Marvel-Comics, Weltraum-Abenteuern und Waschbären ist dies der Film, den ich letztlich drehen will, seit ich neun Jahre alt war“, verriet er.

Das abgefahrene Weltraum-Abenteuer „Guardian of the Galaxy“ ist seit 8. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich. Wohltuend hebt sich Gunns Werk vom überhöhten Superhelden-Einheitsbrei ab und ist fast schon eine Parodie auf das eigene Genre. Statt ausufernder Zerstörungsorgien setzen die Macher auf gut getimte Schenkelklopfer und einen quietschbunten Look.