CD-Tipp: Die Nerven – Fun

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CD-Tipp: Die Nerven – Fun

"Eines der wichtigsten deutschsprachigen Alben des Jahrzehnts" kommt aus Schwaben. Es klingt wütend, nihilistisch, nach Proberaum, Wall of Sound, den Fehlfarben und Joy Division. Und Nach 36 Minuten "Fun" lacht nur noch der Albumtitel.

Drei Schwaben am Abgrund: Die Songs der Nerven heißen „Albtraum“, „Blaue Flecken“, „Angst“ oder „Ich Erwarte Nichts Mehr“. Auf ihrem zweiten „amtlichen“ Album schreit es einem erst mal entgegen: „Was auch immer wir jetzt lernen ist mit Sicherheit nicht wichtig.“ Dieses Album ist für einen der kritischsten Rezensenten des Landes bereits „eines der wichtigsten und besten deutschsprachigen Platten dieses Jahrzehnts“. Dieses Album heißt „Fun“ – und zwar aus purem Sarkasmus.

Gitarren kurz vor dem Zusammenbruch, ein Bass, der fast unbemerkt die Strippen im Hintergrund zieht und ein stoisches Schlagzeug, das versucht jeden Hitgedanken sofort niederzuknüppeln. Dazu Texte, über die auch Jochen Distelmeyer zweimal nachdenken müsste. Passenderweise orientieren sich Die Nerven musikalisch auch an Blumfeld zu „Verstärker“-Zeiten, an den Goldenen Zitronen, Fehlfarben, Tocotronic und natürlich an den Post-Punk-Ikonen Joy Division. Die Nerven existieren zwar erst seit 2010, besitzen aber vermutlich eine ansehnliche Kassetten-Sammlung unbekannter Post-Punk-Bands aus den Achtzigern.

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„Das ist immer noch dein Leben, auch wenn du selbst nichts mehr entscheidest“, brüllt es da thematisch passend. Aufgenommen wurde „Fun“ mit dem Rücken zu einer Wand aus Verstärkern und Lautsprechern, einer sprichwörtlichen „Wall of Sound“. Und es gibt Stellen auf diesem Album, an denen man das spüren kann, wenn man nur laut genug macht. Zum Beispiel in der Mitte von „Blaue Flecken“, in der die „Dosenbier und Nietengürtel“-Attitüde wegfällt und man die schwer hypnotischen, anschwellenden Gitarren eher den isländischen Klangkünstlern von Sigur Rós zuschreiben würde. Oder im schwelenden „Angst“, dem ausufernden Highlight des Albums, das mal eben im irrsten Punk-Hit des Jahres gipfelt: „In meinem Kopf spielen sich Dinge ab, die keiner verstehen will“ – wer hier zustimmt, braucht diese Platte. Nach 36 Minuten „Fun“ lacht nur noch der Albumtitel.